Probiotika sind nicht gleich Probiotika – warum der genaue Stamm entscheidend ist

Probiotika sind nicht gleich Probiotika – warum der genaue Stamm entscheidend ist

Lactobacillus, Bifidobacterium, Bacillus – auf vielen Produkten stehen beeindruckende Bakteriennamen und Milliarden von Keimen. Doch das allein sagt erstaunlich wenig darüber aus, was ein Probiotikum tatsächlich kann.

Denn Probiotika unterscheiden sich erheblich: bei Bakterienart und Stamm, Dosierung, Stabilität – und vor allem bei der Frage, ob für den konkreten Mikroorganismus überhaupt Humanstudien vorliegen.

Warum der genaue Stamm zählt

Selbst Bakterien derselben Art können unterschiedliche Eigenschaften besitzen. Vereinfacht lässt sich das mit einer Adresse vergleichen:

Bacillus = Gattung
subtilis = Art
HU58™ = konkreter Stamm

Eine Studie mit einem bestimmten Bacillus subtilis-Stamm ist deshalb nicht automatisch auf jeden anderen Stamm derselben Art übertragbar.

Auch die Zahl der enthaltenen Mikroorganismen – angegeben als KBE (koloniebildende Einheiten) – ist allein kein Qualitätsbeweis. 50 Milliarden KBE sind nicht automatisch besser als 2 oder 10 Milliarden. Entscheidend ist vielmehr, welcher Stamm in welcher Dosierung tatsächlich untersucht wurde.

Eine weitere Besonderheit sind sporenbildende Bakterien wie bestimmte Bacillus-Arten. Ihre widerstandsfähige Sporenform macht sie vergleichsweise robust. Doch auch hier gilt: Theoretische Vorteile ersetzen keine klinischen Studien.

Die entscheidende Frage lautet daher:

Wurde genau dieser Stamm am Menschen untersucht?

Bei Bacillus subtilis HU58™ gibt es dazu inzwischen zwei aktuelle randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Humanstudien.

Studie 1: HU58™ bei antibiotikaassoziierter Diarrhö

2025 untersuchte eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie 68 Kinder im Alter von 1 bis 12 Jahren mit antibiotikaassoziierter Diarrhö.

Sie erhielten sieben Tage lang entweder Placebo oder 2 Milliarden KBE Bacillus subtilis HU58™ täglich.

Am dritten Behandlungstag hatten 93,5 % der Kinder in der HU58-Gruppe eine normale Stuhlkonsistenz, gegenüber 22,6 % unter Placebo. Auch Bauchschmerzen und weitere gastrointestinale Beschwerden entwickelten sich zugunsten der HU58-Gruppe. Bis Tag 7 hatten allerdings nahezu alle Kinder beider Gruppen wieder eine normale Stuhlkonsistenz.

Besonders relevant: Hier wurde tatsächlich HU58™ allein gegen Placebo untersucht – nicht lediglich ein anderer Bacillus subtilis-Stamm.

Die Ergebnisse beziehen sich allerdings auf Kinder mit bereits bestehender antibiotikaassoziierter Diarrhö und lassen sich nicht einfach auf andere Personengruppen oder Verdauungsbeschwerden übertragen.

Originalstudie bei PubMed

Studie 2: HU58™ bei Reizdarm mit Durchfall

2026 folgte eine weitere randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Pilotstudie mit 61 Erwachsenen mit Reizdarmsyndrom vom Durchfalltyp (IBS-D).

Über vier Wochen erhielten sie Placebo oder eine Kombination aus:

Bacillus subtilis HU58™ + Heyndrickxia faecalis SC208

Die Probiotika-Gruppe zeigte signifikant bessere Responderraten bei Bauchschmerzen und Stuhlkonsistenz. Auch bei der globalen Bewertung der IBS-Symptome zeigte sich ein signifikanter Unterschied gegenüber Placebo.

Allerdings gibt es eine wichtige Einschränkung: HU58™ wurde nicht allein eingesetzt. 

Originalstudie bei PubMed

Was sagen uns die beiden Studien?

Die Ergebnisse sind interessant, sollten aber nicht überinterpretiert werden.

2025: HU58™ allein bei 68 Kindern mit antibiotikaassoziierter Diarrhö – deutliche Unterschiede gegenüber Placebo insbesondere am dritten Behandlungstag.

2026: HU58™ zusammen mit SC208 bei 61 Erwachsenen mit IBS-D – signifikante Unterschiede bei Bauchschmerzen und Stuhlkonsistenz.

Bemerkenswert ist die Stammspezifität: In beiden kontrollierten Humanstudien wurde tatsächlich Bacillus subtilis HU58™ eingesetzt. Und genau das ist bei Probiotika entscheidend: Nicht nur die Art und nicht die höchste Zahl an Milliarden zählt – sondern welcher konkrete Stamm untersucht wurde.