Bei Bakterienkulturen in Nahrungsergänzungsmitteln lohnt sich ein genauer Blick auf das Etikett. Denn Gattung, Art und Stamm sind nicht dasselbe.
Ein einfaches Beispiel:
Bacillus = Gattung
subtilis = Art
HU58™ = konkreter Stamm
Das ist wissenschaftlich relevant. Ergebnisse einer Untersuchung mit einem bestimmten Stamm lassen sich nicht automatisch auf andere Stämme derselben Art übertragen.
Auch die Anzahl der enthaltenen Mikroorganismen – häufig als KBE beziehungsweise CFU angegeben – ist für sich allein noch kein Qualitätsmerkmal. Eine hohe Zahl sagt zunächst nur etwas über die Menge aus, nicht darüber, wie gut genau dieser Stamm wissenschaftlich untersucht wurde.
Zwei aktuelle Humanstudien mit HU58™
Für Bacillus subtilis HU58™ liegen inzwischen zwei randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Humanstudien vor. Interessant daran ist vor allem die Stammspezifität.
Studie 1: HU58™ als Einzelstamm
2025 wurde eine Studie mit 68 Kindern im Alter von 1 bis 12 Jahren veröffentlicht, bei denen eine antibiotikaassoziierte Diarrhö bereits bestand.
Über sieben Tage erhielten die Kinder entweder Placebo oder täglich 2 Milliarden KBE Bacillus subtilis HU58™.
Am dritten Studientag wiesen 93,5 % der Kinder in der HU58-Gruppe eine normale Stuhlkonsistenz auf, gegenüber 22,6 % in der Placebogruppe. Bis Tag sieben hatten jedoch nahezu alle Kinder beider Gruppen wieder normale Stuhlformen.
Damit zeigt die Untersuchung einen deutlichen Unterschied zu einem frühen Messzeitpunkt. Gleichzeitig ist die Einordnung wichtig: Untersucht wurden Kinder mit einer klar definierten Erkrankungssituation. Daraus lässt sich keine allgemeine Wirkung bei gesunden Personen oder bei anderen Verdauungsbeschwerden ableiten.
Studie 2: HU58™ zusammen mit SC208
2026 erschien eine weitere randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Pilotstudie mit 61 Erwachsenen mit Reizdarmsyndrom vom Durchfalltyp.
Über vier Wochen wurde eine Kombination aus
Bacillus subtilis HU58™ + Heyndrickxia faecalis SC208
mit Placebo verglichen.
Bei mehreren untersuchten Endpunkten, darunter Bauchschmerzen und Stuhlkonsistenz, unterschieden sich die Gruppen statistisch.
Hier gilt jedoch eine entscheidende Einschränkung: HU58™ wurde gemeinsam mit einem zweiten Stamm eingesetzt. Die Ergebnisse können deshalb nicht HU58™ allein zugeschrieben werden.
Was lässt sich daraus ableiten?
Vor allem eines: Bei Bakterienkulturen sollte wissenschaftliche Evidenz immer stammspezifisch betrachtet werden.
Die beiden Studien untersuchten tatsächlich HU58™. Sie unterscheiden sich aber deutlich hinsichtlich Population, Kombination, Studiendauer und Fragestellung.
Genau deshalb ist die Aussage „Bacillus subtilis ist wissenschaftlich untersucht“ zu unspezifisch.
Wissenschaftliche Einordnung
Die beschriebenen Ergebnisse geben die Resultate der jeweiligen wissenschaftlichen Publikationen wieder. Sie stellen keine Aussage zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer Erkrankung durch ein Nahrungsergänzungsmittel dar.