Evidenzbasierte Mikronährstoffe: Was der Begriff wirklich bedeutet

Evidenzbasierte Mikronährstoffe: Was der Begriff wirklich bedeutet

„Wissenschaftlich belegt“, „klinisch getestet“, „evidenzbasiert“ – kaum ein Bereich der Nahrungsergänzung kommt heute ohne solche Begriffe aus.

Doch was bedeutet Evidenz bei Mikronährstoffen eigentlich?

Vor allem bedeutet es, verschiedene Ebenen voneinander zu unterscheiden.

1. Ist der Nährstoff grundsätzlich untersucht?

Für Vitamine und Mineralstoffe existiert häufig eine sehr umfangreiche wissenschaftliche Literatur.

Das allein sagt jedoch noch nichts über ein konkretes Produkt aus.

2. Welche chemische Form wird eingesetzt?

Magnesiumoxid ist nicht Magnesiumbisglycinat. Folsäure ist nicht identisch mit 5-MTHF. Und eine Omega-3-Quelle mit überwiegend DHA unterscheidet sich in ihrer Zusammensetzung von einer EPA-dominierten Quelle.

Die konkrete Form eines Stoffes kann deshalb wissenschaftlich relevant sein.

3. Welche Dosierung wurde untersucht?

Ein häufiger Fehler bei der Interpretation von Studien ist die Übertragung eines Ergebnisses auf völlig andere Dosierungen. Wenn eine Studie 250 mg einer Substanz untersucht, ist das Ergebnis nicht automatisch auf 25 mg übertragbar – und auch nicht automatisch auf 1'000 mg.

4. Welche Population wurde untersucht?

Ergebnisse bei

  • gesunden Erwachsenen,
  • älteren Menschen,
  • Kindern,
  • Menschen mit einem Mangel oder
  • Patienten mit einer bestimmten Erkrankung

sind nicht beliebig austauschbar.

5. Was wurde tatsächlich gemessen?

Auch die Wahl des Endpunkts ist entscheidend. Ein veränderter Laborwert ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem gesundheitlichen Nutzen. Ein subjektiver Fragebogen ist nicht dasselbe wie ein objektiv gemessener klinischer Endpunkt. Und ein statistisch signifikanter Unterschied muss nicht zwangsläufig gross oder praktisch relevant sein.

Was wir unter evidenzorientierter Produktentwicklung verstehen

Für uns bedeutet eine wissenschaftlich orientierte Formulierung deshalb nicht, möglichst viele Studienlogos oder spektakuläre Studienergebnisse neben ein Produkt zu stellen.

Entscheidend sind vielmehr:

  • Auswahl nachvollziehbarer Rohstoffformen
  • angemessene Dosierungen
  • Prüfung der wissenschaftlichen Literatur
  • Beachtung der tatsächlichen Studienpopulation
  • transparente Deklaration
  • Qualitätsprüfung der Rohstoffe
  • laufende Bewertung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse

Erfahrungen aus der praktischen Anwendung können zusätzlich Informationen zu Handhabung und Verträglichkeit liefern. Sie ersetzen jedoch keine kontrollierte klinische Studie und sind kein Wirksamkeitsnachweis.

Fazit

Evidenz entsteht nicht dadurch, dass ein Produkt einen „wissenschaftlich bekannten“ Inhaltsstoff enthält.

Entscheidend ist die gesamte Kette:

Stoff – Form – Dosierung – Studienpopulation – Endpunkt – Qualität der Evidenz.

Genau diese Differenzierung macht aus wissenschaftlichem Marketing eine wissenschaftlich orientierte Produktentwicklung.