Zucker steht zunehmend in der Kritik. Dabei wird häufig übersehen, dass sich verschiedene Zuckerarten in ihrer Verdauung und in ihrem Einfluss auf den Blutzuckerverlauf deutlich unterscheiden können.
Ein interessantes Beispiel ist Isomaltulose. Dieses Kohlenhydrat liefert zwar ebenso wie Haushaltszucker Energie, wird vom Körper jedoch wesentlich langsamer aufgespalten. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr weniger schnell und weniger stark an.
Aktuelle Studien zeigen zudem, dass Isomaltulose möglicherweise auch die Ausschüttung bestimmter Darmhormone beeinflusst. Das macht sie zu einem spannenden Kohlenhydrat für moderne Ernährungskonzepte.
Was ist Isomaltulose?
Isomaltulose ist ein Zweifachzucker, der aus den beiden Einfachzuckern Glukose und Fruktose besteht. Damit besitzt sie grundsätzlich die gleichen Bausteine wie gewöhnlicher Haushaltszucker, die sogenannte Saccharose.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Verbindung zwischen diesen beiden Zuckerbausteinen. Bei Isomaltulose ist diese Bindung stabiler und wird durch die Verdauungsenzyme langsamer gespalten.
Das bedeutet:
-
Die enthaltenen Kohlenhydrate gelangen langsamer ins Blut.
-
Der Blutzuckeranstieg verläuft flacher.
-
Die Energie aus den Kohlenhydraten wird über einen längeren Zeitraum bereitgestellt.
-
Starke kurzfristige Blutzuckerspitzen können im Vergleich zu Haushaltszucker reduziert werden.
Isomaltulose wird üblicherweise durch eine enzymatische Umwandlung von Zucker hergestellt. Geschmacklich ähnelt sie herkömmlichem Zucker, besitzt jedoch eine mildere Süsse.
Langsamere Verdauung statt schneller Zuckerspitze
Bei Haushaltszucker werden Glukose und Fruktose relativ schnell voneinander getrennt und aufgenommen. Der Blutzuckerspiegel kann dadurch innerhalb kurzer Zeit deutlich ansteigen.
Isomaltulose wird dagegen langsamer gespalten. Die Glukose gelangt über einen längeren Zeitraum hinweg in den Blutkreislauf. Dadurch entsteht ein gleichmässigerer Verlauf der Blutzuckerkonzentration.
Eine systematische Auswertung der verfügbaren Studien kam zu dem Ergebnis, dass Isomaltulose im Vergleich zu Saccharose insbesondere in der frühen Phase nach dem Verzehr einen geringeren Blutzuckeranstieg verursacht. Die Ergebnisse deuten ausserdem auf einen flacheren und länger anhaltenden Blutzuckerverlauf sowie eine geringere Insulinantwort hin.
Dieser Unterschied ist auch regulatorisch anerkannt: In der Europäischen Union ist eine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen, wonach Lebensmittel oder Getränke mit Isomaltulose anstelle von Zucker einen geringeren Blutzuckeranstieg nach dem Verzehr bewirken. Voraussetzung ist, dass die jeweiligen Bedingungen für die Verwendung der Angabe erfüllt sind.
Was haben GLP-1 und PYY damit zu tun?
Besonders interessant ist der Einfluss von Isomaltulose auf bestimmte Hormone, die im Darm nach dem Essen ausgeschüttet werden.
Dazu gehören:
GLP-1 – Glucagon-like Peptide-1
GLP-1 ist ein körpereigenes Darmhormon, das an der Regulation des Blutzuckers und der Insulinausschüttung beteiligt ist.
PYY – Peptid YY
PYY wird ebenfalls im Darm gebildet und ist unter anderem an der Kommunikation zwischen Verdauungssystem und Gehirn beteiligt.
Da Isomaltulose langsamer verdaut wird, gelangen grössere Kohlenhydratmengen in weiter unten gelegene Bereiche des Dünndarms. Dort befinden sich besonders viele Zellen, die GLP-1 und PYY freisetzen.
Die Wirkung erfolgt dabei über normale physiologische Verdauungsprozesse. Isomaltulose ist deshalb keinesfalls mit Medikamenten vergleichbar, die gezielt an GLP-1-Rezeptoren wirken.
Neue Studie untersucht den sogenannten Second-Meal-Effekt
Eine 2025 im Fachjournal Nutrients veröffentlichte Studie untersuchte 15 ältere Erwachsene mit metabolischem Syndrom. Die Untersuchung war randomisiert, doppelblind und im Crossover-Design aufgebaut.
Die Teilnehmenden erhielten an unterschiedlichen Versuchstagen entweder:
-
50 Gramm Isomaltulose oder
-
50 Gramm Saccharose
Die Zuckerarten wurden in ein Getränk gegeben und zu unterschiedlichen Zeitpunkten vor einer standardisierten Mahlzeit verabreicht.
Nach Isomaltulose zeigte sich ein langsamerer und geringerer Blutzuckeranstieg als nach Saccharose. Gleichzeitig wurden höhere und länger anhaltende Konzentrationen der Darmhormone GLP-1 und PYY gemessen.
Interessanterweise wirkte sich die Isomaltulose nicht nur auf die direkte Reaktion nach dem Getränk aus. Auch die Blutzuckerreaktion auf die nachfolgende Mahlzeit fiel günstiger aus. Die Wissenschaft bezeichnet dies als Second-Meal-Effekt.
Die Studie war mit 15 Personen klein und untersuchte kurzfristige Stoffwechselreaktionen. Sie liefert dennoch interessante Hinweise darauf, dass die Wahl der Kohlenhydratquelle möglicherweise auch die Reaktion auf eine spätere Mahlzeit beeinflussen kann.
Frühere Studie zeigt vergleichbare Ergebnisse
Bereits 2016 untersuchte das Deutsche Institut für Ernährungsforschung zehn Erwachsene mit Typ-2-Diabetes. Auch hier wurden jeweils 50 Gramm Isomaltulose und 50 Gramm Haushaltszucker miteinander verglichen.
Nach dem Verzehr von Isomaltulose war die maximale Blutzuckerkonzentration durchschnittlich rund 20 Prozent niedriger. Die gemessene Insulinausschüttung lag sogar rund 55 Prozent unter der Reaktion auf Haushaltszucker.
Gleichzeitig stieg die GLP-1-Konzentration schneller an und blieb länger erhöht. Die Forschenden erklärten diese Unterschiede ebenfalls mit der langsameren Spaltung und Aufnahme von Isomaltulose im Dünndarm.
Für welche Produkte eignet sich Isomaltulose?
Isomaltulose kann überall dort interessant sein, wo Kohlenhydrate oder Süsse gewünscht sind, starke Blutzuckerspitzen jedoch vermieden werden sollen.
Mögliche Einsatzbereiche sind:
-
Getränkepulver
-
Sportgetränke
-
Müslis und Frühstücksprodukte
-
Protein- und Energieriegel
-
Backwaren
-
Mahlzeitenersatzprodukte
-
Kohlenhydratmischungen für längere körperliche Belastungen
Da Isomaltulose vollständig verdaut und verwertet wird, eignet sie sich besonders für Produkte, die Energie aus Kohlenhydraten liefern sollen. Sie ist kein Zuckeralkohol und wird daher stoffwechselphysiologisch anders behandelt als beispielsweise Erythrit oder Xylit.
Ist Isomaltulose zuckerfrei?
Nein. Isomaltulose bleibt ein Zucker und liefert ungefähr vier Kilokalorien pro Gramm – damit etwa genauso viel Energie wie Haushaltszucker.
Ihr Vorteil besteht nicht darin, kalorienfrei zu sein. Der entscheidende Unterschied liegt in der langsameren Verdauung und dem daraus resultierenden flacheren Blutzuckerverlauf.
Isomaltulose sollte deshalb nicht als Freipass für einen unbegrenzten Zuckerkonsum verstanden werden. Sie kann aber eine sinnvolle Alternative sein, wenn Zucker oder schnell verfügbare Kohlenhydrate gezielt ersetzt werden sollen.
Fazit: Eine intelligentere Wahl bei Kohlenhydraten
Isomaltulose zeigt, dass Zucker nicht gleich Zucker ist. Obwohl sie aus den gleichen Grundbausteinen wie Haushaltszucker besteht, verändert die besondere chemische Verbindung die Geschwindigkeit der Verdauung.
Studien zeigen übereinstimmend einen langsameren und geringeren Blutzuckeranstieg im Vergleich zu Saccharose. Neuere Untersuchungen liefern darüber hinaus interessante Hinweise auf eine länger anhaltende Ausschüttung der Darmhormone GLP-1 und PYY sowie einen günstigeren Blutzuckerverlauf bei einer nachfolgenden Mahlzeit.
Isomaltulose ist damit kein kalorienfreier Zuckerersatz, sondern ein langsam verfügbares Kohlenhydrat mit besonderen Stoffwechseleigenschaften. Für durchdachte Lebensmittel, Sportprodukte und Ernährungskonzepte kann sie eine interessante und wissenschaftlich gut untersuchte Alternative zu herkömmlichem Zucker darstellen.