Folat versus Folsäure

Vorteile von Folsäure auf Basis von 5-MTHF

Folat gehört zu den essenziellen B-Vitaminen und ist seit Jahrzehnten Gegenstand ernährungswissenschaftlicher Forschung. Bekannt wurde der Nährstoff zunächst unter dem Sammelbegriff „Folsäure“, doch moderne Wissenschaft unterscheidet heute klar zwischen synthetischer Folsäure und den biologisch aktiven Folat-Formen. Eine dieser aktiven Formen ist 5-Methyltetrahydrofolat (5-MTHF), das heute zunehmend in hochwertigen Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt wird.

Von Folsäure zu aktivem Folat – ein kurzer historischer Überblick

Folat wurde in den 1940er-Jahren erstmals aus Spinatblättern isoliert. Um den steigenden Bedarf in Medizin und Lebensmittelanreicherung zu decken, entwickelte man später synthetische Folsäure, da sie stabil, kostengünstig und gut lagerfähig ist. Über Jahrzehnte galt sie als Standardform in Supplementen und angereicherten Lebensmitteln.

Mit dem Fortschritt der Biochemie wurde jedoch klar: Folsäure ist keine biologisch aktive Form. Sie muss im menschlichen Körper zunächst über mehrere enzymatische Schritte umgewandelt werden, bevor sie in Stoffwechselprozessen eingesetzt werden kann. Die biologische Nutzung ist daher indirekt und zeitlich verzögert im Vergleich zu bereits aktivem Folat. Genau an diesem Punkt rückte 5-MTHF in den Fokus der Forschung.

Was ist 5-MTHF?

5-MTHF ist die natürliche, bioaktive Hauptform von Folat im menschlichen Blutkreislauf. Sie entsteht normalerweise aus Nahrungsfolaten oder aus synthetischer Folsäure durch enzymatische Umwandlung, insbesondere über das Enzym Methylen-Tetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR).

Der entscheidende Unterschied: 5-MTHF kann direkt in folatabhängigen Stoffwechselwegen genutzt werden, ohne zuvor aktiviert werden zu müssen.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Warum die Form eine Rolle spielt

In den letzten zwei Jahrzehnten haben zahlreiche Studien gezeigt, dass genetische Variationen – insbesondere im MTHFR-Gen – die Umwandlung von Folsäure in aktives Folat beeinflussen können. Je nach Variante kann diese Umwandlung weniger effizient ablaufen.

Eine vielzitierte Übersichtsarbeit von Bailey & Gregory (1999) beschreibt detailliert die verschiedenen Folatformen, ihre Bioverfügbarkeit und ihre Rolle im Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel. Die Autoren zeigen, dass 5-MTHF die dominierende zirkulierende Form von Folat ist und eine zentrale Rolle bei Methylierungsprozessen spielt.

Eine weitere wichtige Studie von Prinz-Langenohl et al. (2009) verglich die Bioverfügbarkeit von 5-MTHF mit synthetischer Folsäure. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass 5-MTHF mindestens gleichwertig, teilweise sogar effizienter zur Erhöhung des Folatstatus beiträgt – ohne dass unverstoffwechselte Folsäure im Blut nachweisbar war.

Technologische Entwicklung moderner 5-MTHF-Formen

Die Nutzung von 5-MTHF in Nahrungsergänzungsmitteln war lange Zeit eine Herausforderung, da das Molekül empfindlicher ist als Folsäure. Erst durch moderne Stabilisierungstechnologien, etwa durch Calcium- oder Glucosamin-Salze (z. B. Calcium-L-Methylfolat), wurde eine stabile, alltagstaugliche Supplementform möglich.

Diese Entwicklung markiert einen wichtigen Schritt in Richtung differenzierter Mikronährstoffversorgung, bei der nicht nur die Menge, sondern auch die biochemische Form eines Nährstoffs berücksichtigt wird.

Fazit

Die Entwicklung von 5-MTHF steht exemplarisch für den Wandel in der modernen Ernährungswissenschaft: weg von rein synthetischen Standardlösungen, hin zu biologisch differenzierten, körpernahen Nährstoffformen. Während klassische Folsäure historisch eine wichtige Rolle gespielt hat, zeigt die heutige Studienlage, dass aktive Folatformen wie 5-MTHF eine sinnvolle, zeitgemäße Weiterentwicklung darstellen – insbesondere dort, wo Stoffwechselindividualität berücksichtigt werden soll.

Studien (Auswahl):

  • Bailey, L. B., & Gregory, J. F. (1999). Folate metabolism and requirements. Journal of Nutrition.

  • Prinz-Langenohl, R. et al. (2009). Bioavailability of 5-methyltetrahydrofolate versus folic acid. American Journal of Clinical Nutrition.


Hinweis

Nahrungsergänzungsmittel dienen der Ergänzung der Ernährung. Sie sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise und nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder zu verhindern.